Keine Spiele in Brüssel bei der Euro 2020 Autor: A.Kockartz

Do 07/12/2017 - 16:27 A.Kockartz Wenn 2020 die Fußball-Europameisterschaft angepfiffen wird, dann wird der Ball in vielen Städten in der Europäischen Union rollen, nur nicht in Brüssel. Die UEFA gab am Donnerstag bekannt, dass in der belgischen und europäischen Hauptstadt keine Spiele absolviert werden, weil das geplante Eurostadion bis dahin kaum fertiggestellt werden kann - wenn es denn überhaupt gebaut wird.

Nach Entscheidung der UEFA findet das Eröffnungsspiel für die Euro 2020 im Stadio Olimpio in der italienischen Hauptstadt Rom statt und die übrigen für Brüssel vorgesehenen Begegnungen gehen an die Briten, nämlich an das Wembley-Stadion in London. Damit wird deutlich, dass die Streiterei zwischen Fußballverband, Politik und Baupromotoren zum Ende des Traums geführt haben.

Ins alte König Baudouin-Stadion kann nicht ausgewichen werden, denn dieses entspricht den heurigen Anforderungen nicht mehr und ein Umbau würde bis dahin auch nicht mehr zu schaffen sein. Alle anderen belgischen Erstliga-Stadien liegen nicht in der Hauptstadt und fallen symbolisch weg. Zudem hat sich kein Verein mit tauglichem Stadion in Belgien als Austragungsort für die Euro 2020 beworben…

Ob das umstrittene Eurostadion in Brüssel überhaupt je eröffnet werden kann, ist fraglicher denn je. Eine Woche, nach dem die Brüsseler Randgemeinde Grimbergen in Flämisch-Brabant, wo das Stadion gebaut werden sollte, dem Projekt einmal mehr ein negatives Gutachten ausstellte, folgte am Montag auch eine ungünstige Expertise von Seiten der Verwaltung für Mobilität und öffentliche Arbeiten des belgischen Bundeslandes Flandern.

Dazu muss man wissen, dass das Eurostadion auf dem Gelände des Parking C unweit des alten Heysel-Stadions entstehen soll und zwar in weiten Teilen auf flämischem Gebiet, eben in Grimbergen. Von Anfang an stieß das Projekt auf Probleme, da nach wie vor kein schlüssiges Verkehrssystem vorgelegt werden konnte. Das betrifft sowohl die Anbindung des Stadions an den öffentlichen Nahverkehr, als auch den individuellen Autoverkehr bei Spielen oder anderen Events auf den Zubringerwegen in Brüssel und im flämisch-brabantischen Grimbergen.

Flanderns Landesumweltministerin Joke Schauvliege (CD&V) hat bis zum 2. Februar 2018 Zeit, eine Entscheidung zum Raumordnungsplan zu treffen. Dabei liegt der Fokus durch die Verkehrsprobleme auch auf der Umweltverträglichkeit. Zuletzt sagte Belgiens Premierminister Charles Michel (MR) noch dazu, dass dieses Projekt von „Amateuren vermasselt“ worden sei.

Nicht wenige Politiker in Städten und Gemeinden sowie in Ländern und Regionen fragen sich, warum man überhaupt ein Nationalstadion statt in Brüssel auf flämischem Grundgebiet geplant habe. Hier habe die Hauptstadt-Region Brüssel ebenso versagt, wie die Projektinitiatoren, die wohl geglaubt hatten, es würde schon alles so werden, wie sie es wünschten…