Geens: "Mehr Psychologen für die Gefängnisse" Autor: A.Kockartz

Di 05/06/2018 - 12:23 A.Kockartz Belgiens Justizminister Koen Geens (CD&V - Foto) musste am Dienstagabend den Vertretern der Parteien parlamentarischen Justizausschuss Rede und Antwort nach der Schießerei von Lüttich in der vergangenen Woche stehen. Dabei forderte er mehr Psychologen und Pfleger, um Häftlinge, die Benjamin Herman, den Schützen des Anschlags, behandeln zu können.

Auch um Justizausschuss erklang die Frage: „Wie konnte das passieren?“ Am vergangenen Dienstag erschoss Benjamin Herman mitten in Lüttich zwei Polizistinnen und einen Studenten und er verletzte mehrere weitere Polizisten durch Schüsse. Offenbar tötete er in der Nacht vor seinem Anschlag, er war wohl islamistisch radikalisiert, einen Bekannten, den er aus dem Gefängnis und aus Dealerkreisen kannte. Allerdings, Herman befand sich auf Freigang aus der Haftanstalt und hatte dazu die Erlaubnis der zuständigen Instanzen im Justizwesen.

Jetzt lautet die Frage, der auch die Ermittler nachgehen, ob der 31 Jahre alte Benjamin Herman tatsächlich von moslemischen Extremisten im Gefängnis radikalisiert werden konnte. Als er sich in Lüttich am vergangenen Dienstag ins Feuer der Polizisten warf, soll er „Allahu Akbar“ gerufen haben, wie auch auf Handyaufnahmen zu hören ist.

Personalmangel und falsche Herangehensweise?

Nach diesem Fall stellt auch der Justizminister fest, dass im belgischen Gefängniswesen einiges im Argen liegt. Zum einen liege dies an einem akuten Personalmangel im medizinischen und psychologischen Bereich und zum anderen auch an der Handhabe der Vorgänge im Gefängnis. So würde dort viel zu viel von der Mitarbeit oder der Bereitschaft zur Mitarbeit von Seiten der Häftlinge abhängig gemacht. Dies helfe weder der Re-Integration von ex-Gefangenen in der Gesellschaft, noch beim Versuch herauszufinden, ob ein Insasse psychologisch oder psychisch gestört sei. Erst recht in der Frage von Gewaltbereitschaft oder Radikalisierung reiche dies nicht aus, so Geens. Schließlich würden aufgrund solcher Vorgänge auch Freigänge oder Hafturlaube gewährt werden.

Angst...

„Man kann Menschen, die schwere Probleme haben, keine De-Radikalisierung, Arbeit oder Ausbildung auferlegen, mit dem Ziel, diese wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Deren Freiheit ist total und das flößt mit Angst ein.“, so Geens vor dem Ausschuss. Der Justizminister bleibt aber dabei, dass seine Mitarbeiter auch in Sachen Freigang für Benjamin Herman nach Ehre und Gewissen gehandelt hätten: „Ich habe nicht das Gefühl, dass Fehler gemacht worden sind, die man absolut hätte vermeiden können.“