Ist Belgien zu lasch beim Thema Glücksspiel? Autor: A.Kockartz

Mi 10/01/2018 - 14:49 A.Kockartz Die Neueröffnung eines Wettbüros von Ladbrokes in Vilvoorde (Fläm. Brabant bei Brüssel) sorgt in Belgien ebenso für Gesprächsstoff, wie der Vorwurf, dass in unserem Land Glücksspiel im Internet kaum Grenzen gesetzt werden. Zielscheibe der Diskussionen ist die Glücksspiel-Kommission der belgischen Bundesregierung. Sie sei zu lasch, so der Vorwurf.

Hans Bonte (SP.A), der Bürgermeister von Vilvoorde bei Brüssel, greift in diesen Tagen in den Medien die belgische Glücksspiel-Kommission scharf an, denn er kann nicht verstehen, wieso der Ausschuss eine neue Betriebsgenehmigung für das Ladbrokes-Wettbüro in der Nowélei erteilen konnte.

Belga

Bonte ist wütend: „Das Wettbüro sorgt nicht nur für Probleme, wie Lärmbelästigung. Vermittler von Syrienkämpfern kamen hierher, um ihr kriminell verdientes Geld zu waschen!“

Der Bürgermeister stellt sich Fragen zur Arbeit der Glücksspiel-Kommission: „Einerseits ist sie ein Kontrollorgan aber andererseits muss sie auch die Belange des Sektors verteidigen. Das schließt sich eigentlich gegenseitig aus. Überdies hat uns der Ausschuss zweimal zu verstehen gegeben, dass man unserer negativen Empfehlung folgen werde.“

Bonte will diese Betriebsgenehmigung denn auch juristisch anfechten. Der Ausschuss selbst relativiert unterdessen die „negative Berichterstattung“ und gibt an, der Antrag von Ladbrokes habe allen gesetzlichen Vorschriften entsprochen.

"Belgien ist der Wilde Westen für Online-Zocker"

AP

Auch Jannie Haeck, der CEO der belgischen Nationallotterie, geht mit der belgischen Glücksspiel-Kommission hart ins Gericht und wirft ihr vor, ihre Arbeit nicht zu machen: „In unserem Land ist alles erlaubt, während Casinospiele im Internet in Deutschland, in den Niederlanden und in Frankreich sowie selbst in einigen US-Staaten verboten ist.“ Man könne hier im Land problemlos einen falschen Online-Account anlegen. Bundesjustizminister Koen Geens (CD&V) kündige zwar seit langem bereits Maßnahmen an, so Haeck gegenüber dem flämischen Nachrichtenmagazin Knack, doch indessen könne jeder zocken was das Zeug hält.

Die Glücksspiel-Kommission habe in diesem Zusammenhang „eifrig Lizenzen verteilt“. Wer eine Lizenz haben wolle, der bekomme sie auch, so der Lotterie-Vorsitzende. Zwar biete die belgische Nationallotterie ebenfalls Online-Spiele an, doch dies würde sehr streng kontrolliert und die möglichen Einsätze würden 4,50 € nicht überschreiten.