Nach Krawallen: Scharfe Kritik an Brüsseler Polizei Autor: A.Kockartz

Sa 18/11/2017 - 12:09 A.Kockartz Im ersten Untersuchungsbericht nach den Ausschreitungen in Brüssel am vergangenen Samstagabend werden schwere Vorwürfe gegen die Brüsseler Polizei erhoben. Belgiens Innenminister Jan Jambon (N-VA) stellte die ersten Schlussfolgerungen des Berichts der Allgemeinen Polizeiinspektion, die den Einsatz der Sicherheitskräfte bei den gewaltsamen Unruhen untersuchte, am Freitag in der Ersten Kammer im belgischen Bundesparlament vor.

Nach Lesart von Innenminister Jambon (kl. Foto) fällt der Bericht der Allgemeinen Polizeiinspektion zu den Vorgängen am Samstag rundweg negativ aus. Die Polizei in Brüssel sei zwar auf angekündigte Veranstaltungen, wie Demos oder andere Kundgebungen, vorbereitet, doch bei spontan entstehenden Problemen, wie eben die Randale im Stadtzentrum nach dem WM-Qualifikationsspiel Marokko gegen die Elfenbeinküste, sei kein brauchbarer Einsatzplan zu erkennen.

Belga

Letzten Samstag habe man zudem die zur Verfügung stehende Verstärkung gar nicht erst angefordert, so Jambon. Statt Kollegen aus den anderen Brüsseler Polizeizonen herbeizurufen, habe man Verstärkung von Seiten der Bundespolizei aus Antwerpen alarmiert. Der Innenminister forderte deswegen zum wiederholten Male für einheitliche Struktur auf Befehlsebene der Brüsseler Polizei. Das entsprach zwischen den Zeilen einmal mehr der Forderung der Flamen und besonders der nationaldemokratischen N-VA nach einer Fusion der insgesamt sechs Brüsseler Polizeizonen.

Diese Forderung ist allerdings in weiten Teilen Brüssel selbst und besonders von frankophoner Seite auf politischer Ebene her ein „Rotes Tuch“. Die für die Polizei politisch verantwortlichen Politiker in Brüssel, allen voran die Befürworter der Beibehaltung des Systems der sechs Polizeizonen, kritisierten im Gegenzug die Haltung des Bundesinnenminister scharf und warfen ihm vor, in dieser Frage alles andere als objektiv zu sein.

Die Krawalle aufgebrachter Jugendlicher nach der Auflösung einer nicht angekündigten Veranstaltung des französischen Internet-Phänomens Vargasss92 am Münzplatz im Herzen von Brüssel am frühen Mittwochabend gossen hier allerdings wieder Öl aufs Feuer, denn auch dabei schien die Polizei wieder völlig überrascht reagiert zu haben.