Brüsseler Polizisten berichten anonym über Schwierigkeiten vom Samstagabend Autor: U. Neumann

So 12/11/2017 - 12:50 U. Neumann "Völlig überrascht, zu wenig Einsatzkräfte und Betonblöcke, die uns im Weg standen." Einige Brüsseler Polizisten reagieren frustriert auf den Zwischenfall von Samstagabend. Sie berichten anonym über die vielen Faktoren, die ihre Arbeit unnötig erschwerten.

"Das ist peinlich und frustrierend", heißt es bei vier jungen Polizisten, die am gestrigen Samstagaben in der Brüsseler Innenstadt im Einsatz waren. Sie berichten lieber anonym über den Einsatz. "Sonst können wir uns einen neuen Job suchen gehen."

Verschiedene Fußballfan-Gruppen hatten sich am Samstagabend an der Börse versammelt, um die Qualifikation der marokkanischen Nationalelf zur WM in Russland zu feiern. Was eigentlich ein freudiges Fußballfest werden sollte, artete schnell in Vandalismus, Brandstiftung, Gewalt gegen die Ordnungsdienste und Plünderungen aus.

Während die Untersuchungen nach den Ergeignissen und den Tätern auf Hochtouren laufen, wird die Brüsseler Polizeispitze schon jetzt scharf kritisiert. Zeugen und Händler in den betroffenen Straßen behaupten, dass es sehr lange gedauert habe, bevor die Polizei eingeschritten sei.

Die Polizeizone Brüssel Hauptstadt und Elsene betont, dass zunächst die öffentliche Ordnung habe wiederhergestellt werden müssen, bevor die Polizei die Geschäfte schützen konnte. Auch hätten viele Grüppchen an verschiedenen Orten Unruhe gestiftet.

Mehrere Faktoren erschwerten die Arbeit der Polizei

Den Polizisten zufolge seien mehrere Faktoren schuld gewesen, die ein schnelles und effizientes Handeln der Polizei fast unmöglich gemacht hätten. "Es waren einfach nicht genug Mannschaften vorgesehen, um einzugreifen", heißt es. "Egal, was sie dort oben sagen: Es waren sowieso nicht genug Einsatzkräfte für eine mögliche Qualifikation von Marokko eingeplant. Lassen Sie uns das hier ganz deutlich sagen."

"Erst während des Spiels, als sie feststellten, dass enorm viel Volk unterwegs war und es Zwischenfälle auf der Stalingradlaan gab, hatten sie begriffen, dass es Ausschreitungen geben könnte. Sie sollten wissen, dass für uns zu diesem Zeitpunkt ganz klar war, dass unsere Polizisten beworfen werden! Damit verlieren sie an Schnellheit."

Die Polizisten sprechen aber auch von einem Infrastrukturproblem rund um die Börse. So sei es wegen der Fußgängerzone sehr schwer, Wasserkanonen in bestimmten Zonen einzusetzen. "Eine schnelle, tatkräftige Intervention ist dort fast unmöglich. Das wissen wir aber schon länger."

"Wir durften nichts unternehmen, um Eskalation zu verhindern"

Auf der Lemonnierlaan stellten wir fest, dass Plünderungen vor sich gingen, dass Händler bestohlen wurden - vor den Augen einer Truppe. Es durfte nicht eingegriffen werden, weil die Situation dann hätte eskalieren können. Und das ist sicher nicht das erste Mal! Davon kann man doch verrückt werden!"

"Auch die Kollegen von der Feuerwehr konnten ihre Arbeit nicht ausführen. Sie versuchten, ein brennendes Auto zu löschen, wurden aber plötzlich von Jugendlichen beworfen und mussten sich zurückziehen."

Die Polizei in der Hauptstadt ist eigentlich gut ausgerüstet und für solche Situationen ausgebildet worden. "Wir haben Tränengas, wir haben Gummigeschosse. Das einzige, was wir nicht haben, ist eine offizielle Zustimmung, um sie auch tatsächlich zum Einsatz zu bringen."