Aalst 32 Jahre danach: Justiz scharf kritisiert Autor: A.Kockartz

Do 09/11/2017 - 14:40 Update: Do 09/11/2017 - 15:58 A.Kockartz Bei der Gedenkfeier für die Opfer des blutigen Überfalls der Killerbande von Brabant auf einen Delhaize-Supermarkt in Aalst auf den Tag genau 32 Jahre nach dem Ereignis musste sich die Justiz heftige Kritik gefallen lassen. Jetzt, wo neuer Elan in die Ermittlungen gekommen ist, warf Christoph D'Haese (N-VA - Foto) den anwesenden Vertretern der Justiz vor, „jahrelang besonders unprofessionell“ mit den Ermittlungen umgegangen zu sein.

Die Stadt Aalst stand an diesem 9. November, wie seit 32 Jahren schon, im Zeichen des Gedenkens an den blutigen Überfall der Killerbande von Brabant vor genau 32 Jahren. Damals kamen 8 Menschen ums Leben und viele weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Der Überfall am 9. November 1985 war die letzte Tat der Bande, die so plötzlich verschwand, wie sie drei Jahre zuvor in Aktion getreten war.

Bis heute sind diese Überfälle und kaltblütigen Morde nicht aufgeklärt, auch wenn seit einigen Tagen eines der möglichen Bandenmitglieder identifiziert zu sein scheint. Insgesamt kamen zwischen 1982 und 1985 28 Menschen durch die Killer von Brabant ums Leben.

Auf dem Friedhof der Gemeinde Aalst wurde an diesem Donnerstag ein neues Denkmal eingeweiht. Justizminister Koen Geens (CD&V) sowie der Bürgermeister der Gemeinde, Christoph D’Haese (N-VA), sprachen dabei zu den Anwesenden.

D’Haese übte in seiner Rede scharfe Kritik an der Justiz. Jahrelang seien die Ermittlungen äußerst unprofessionell geführt worden: „Es passiert wohl nicht oft auf einem Friedhof, dass wir die Justiz zurechtweisen müssen, dich heute ist dies dringend nötig. Wie sagte schon der Aalster Schriftsteller Louis Paul Boon, ‚Das Gewissen muss ab und zu einen Tritt bekommen.‘ Ich würde gerne ihr Gewissen wachrütteln.“

„Dürfen wir Sie um ein Engagement bitten, dass weiter reicht, als der Aktualitätswahn des Tages? Sie sind jahrelang äußerst unprofessionell mit den Ermittlungen umgegangen. In den vergangenen Wochen erlebten wir einen strafrechtlichen Rollercoaster. Ich hoffe, dass dies nicht wieder nur ein Aufflackern ist, sondern der Anfang einer Spur, die endlich zur definitiven Aufklärung dieses wahnsinnigen Dossiers führt.“

Nach Bürgermeister D’Haese ergriff auch Bundesjustizminister Geens das Wort und gab zu verstehen, dass er sich das Dossier selbst zu eigen machen würde. Auf Einladung der Stadt Aalst waren zum ersten Mal auch zuständige Staatsanwälte bei der Zeremonie zugegen. Dabei handelte es sich um Ignacio De La Serna aus Mons im Hennegau und um Christian De Valkeneer aus Lüttich (Foto unten).