Ist Flandern dabei, seine Umweltziele drastisch zu verfehlen? Autor: U. Neumann/ De Standaard/ Le Soir

Fr 13/10/2017 - 11:04 U. Neumann/ De Standaard/ Le Soir Belgien will seine Klimaziele nach unten korrigieren und die flämische Klimapolitik sei dabei, ihre Ziele völlig aus den Augen zu verlieren, konstatieren mehrere belgische Zeitungen an diesem Freitag. Flandern muss bis 2020 seinen Ausstoß von Treibhausgasen um 15,7 Prozent gegenüber 2005 reduzieren. Es sieht jedoch danach aus, dass die Region gerade einmal 2 Prozent schafft.

Europa hatte Belgien Klimaziele auferlegt, nach denen das Land seine Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 15 Prozent gegenüber 2005 reduzieren muss. Der umweltschädliche Außstoß muss vor allem in der Landwirtschaft, im Transport-  und Bauwesen und bei der Kleinindustrie gedrosselt werden.

Zwischen den verschiedenen Regionen in Belgien wurde vereinbart, dass Flandern sogar 15,7 Prozent seiner Emissionen reduzieren müsse.

Jüngste Zahlen zeigen jedoch, dass Flandern weit von diesen Zielen entfernt ist - zu weit. Flandern sei wohl vom Weg abgekommen, heißt es in der Zeitung De Standaard. Das Land hat bis dato gerade einmal 2 Prozent seiner Emissionen gegenüber 2005 gedrosselt.

So betrug 2005 der CO2-Ausstoß in Flandern 46.203 Kilotonnen. 2016 waren es 45.300 Kilotonnen. Zwischen 2014 und 2016 seien die Emissionen sogar noch gestiegen, weiß De Standaard zu berichten.

Aus einer Prognose der flämischen Regierung geht nun hervor, dass der Ausstoß in den nächsten Jahren ungefähr gleich bleiben wird. Wenn man den Ausstoß noch schnell anpasse, schaffe man höchstens 5 Prozent, heißt es bei der flämischen Regierung.

Auch Wallonien und Brüssel schneiden unterdurchschnittlich ab. Jüngsten Zahlen zufolge soll Belgien insgesamt bis 2020 eine Senkung der Emissionen um 8 bis 10 Prozent erzielen. Damit ist auch ganz Belgien noch weit von den einst angestrebten 15 Prozent entfernt.

Die Antwort der Politik darauf: Insgesamt, so die flämische Umweltministerin Joke Schauvliege, hole man die Ziele. Dabei rechnet Schauvliege vor allem mit dem Zeitraum von 2013-2017. Darin habe man schneller Emissionen abgebaut als Europa vorgeschrieben habe. Und damit kompensiere man das Defizit, das man in den nächsten drei Jahren haben werde.

Belgien: Kein ehrgeiziger Schüler

Belgien gehört übrigens sowieso schon zu den Ländern in Europa, die sich für wenig ambitionierte Klimaziele, auch für das Jahr 2030, einsetzen wollen.

So habe Belgien das umweltfeindlichste Steuersystem in Europa. Während Arbeit hoch besteuert wird, ist die Besteuerung bei der Verschmutzung niedrig. In anderen Ländern sei das umgekehrt, betont De Standaard an diesem Freitag.