Wenn der Bundespräsident in Belgien zu Gast ist Autor: U. Neumann

Belga
So 06/03/2016 - 13:15 Update: So 06/03/2016 - 13:16 U. Neumann Am kommenden Dienstag kommen der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin, Daniela Schadt, nach Belgien. König Philippe hat sie eingeladen. Und sie werden sich bis zum 10. März in Belgien aufhalten. Wenige Tage vor seinem Staatsbesuch in Belgien äußerte sich Joachim Gauck zu den deutsch-belgischen Beziehungen, zum "Belgien-Bashing", aber auch zur Flüchtlingskrise in verschiedenen belgischen Zeitungen.

Es sei ein Besuch, der im Zeichen der belgischen-deutschen Freundschaft stehe, heißt es auf der deutschen Präsidentenwebsite von Joachim Gauck. "Belgien gehörte zu den ersten Ländern, die in der Nachkriegszeit vor genau 65 Jahren mit der Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen aufnahmen."

In einem Interview mit der deutschsprachigen Zeitung Grenz Echo zählte Gauck die Gemeinsamkeiten Deutschlands und Belgiens auf, zum Beispiel, dass beide Länder föderale Staaten sind, dass sie zumeist von Koalitionsregierungen geführt werden und dass Verhandlungen und Kompromisse daher bei beiden zur politischen Kultur gehörten. Auch erwähnte der deutsche Bundespräsident, wie wichtig die Handelsbeziehungen beider Staaten seien und dass Belgien als Investitionsstandort für deutsche Untenehmen eine bedeutende Rolle spiele.

Zum Thema "Belgien-Bashing", sagte Gauck, er sehe keine ernsthaften Verstimmungen zwischen beiden Ländern. Aber sein Besuch könne hoffentlich zu einem noch besseren gegenseitigen Verständnis beitragen.

Natürlich machten sich die Deutschen Sorgen nach den Anschlägen von Paris und den Verbindungen der Attentäter nach Belgien. Ein Teil der Bürger beschäftige sich auch mit der Sicherheit von grenznahen Atomkraftwerken. Wichtig sei aber, dass man sich gemeinsam sachlich und informiert mit solchen Themen auseinandersetze, unterschiedliche Wahrnehmungen bespreche und gemeinsam nach Lösungen suche.

"Flüchtlingskrise kann auch wake-up call für Europa sein"

Zum Thema Flüchtlingskrise betonte der 76-jährige Repräsentant Deutschlands in einem E-Mail-Interview mit der Zeitung De Standaard: "Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die globalen Krisen auch Europa nicht aussparen."

Manchmal könne eine schwere Krise auch ein Weckruf für Europa sein, so Gauck noch. "Entweder es gelingt uns, gemeinsam und dort wo es nötig ist, auch in Zusammenarbeit mit Ländern außerhalb der Europäischen Union, konstruktive Lösungen wie beim Klimagipfel in Paris zu erarbeiten oder wir verlieren sowohl alleine als auch kollektiv unseren Einfluss und unsere Möglichkeiten, die Welt inhaltlich mitzugestalten."

Deutschland habe sich entschieden und setze sich deshalb weiter mit aller Macht für die Kohäsion in Europa ein, betonte Gauck.

Der Staatsbesuch in Belgien

Joachim Gauck besucht als repräsentatives Staatsoberhaupt Deutschlands vom 8. bis zum 10 März Belgien.

Geplant sind außer dem Aufenthalt in der belgischen Hauptstadt Brüssel und einem Besuch des Produktionsstandorts von Audi auch ein 'Abstecher' nach Antwerpen in Flandern, wobei hier die Wirtschaft und der Hafen im Vordergrund stehen werden sowie Mechelen (ebenfalls in Flandern). In Mechelen wird sich Joachim Gauck ein Integrationsprojekt ansehen und dabei der Eröffnung eines Jugendzentrums beiwohnen. Auch ein Besuch in Lüttich und in Eupen in Wallonien stehen auf dem Programm.

Einmal abgesehen von den Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des 1. Weltkriegs, im Rahmen derer Joachim Gauck Lüttich und Löwen besuchte, fand der letzte bilaterale Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten in Belgien 1998 statt - damals stattete Roman Herzog Belgien einen Besuch ab.

Lesen Sie das detaillierte Programm auf der Website des deutschen Bundespräsidenten.

Joachim Gauck

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck gehört keiner politischen Partei an. 

Er wurde am 24. Januar 1940 in Rostock (im Nordosten Deutschlands) geboren und war evangelischer Pfarrer in der ehemaligen DDR. Später war er Volkskammerabgeordneter für das Bündnis 90.

Nach dem Mauerfall und im wiedervereinten Deutschland wurde er zum Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (Gauck-Behörde). Er führte dieses Amt bis zum Jahr 2000 aus. Im März 2012 wurde er zum 11. deutschen Bundespräsidenten gewählt.

Über Gaucks Rolle als Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR gehen die Meinungen in Deutschland auseinander. Für Demokratie, Recht und Gerechtigkeit hat sich Gauck in seinem Amt aber zweifelsohne stets eingesetzt.