Erzbischof De Kesel sorgt für Aufregung Autor: A.Kockartz

Belga
Mo 28/12/2015 - 10:28 A.Kockartz Erzbischof Jozef De Kesel (Foto), der neue Primas der belgischen Katholiken, hat mit einem Zeitungsinterview für Aufruhr in Politik und Gesellschaft gesorgt. In dem Interview sagt der Geistliche, dass katholische Krankenhäuser Abtreibung und Sterbehilfe verweigern dürfen. Ein Gesetz, das diese Verweigerung in Belgien untersagt, gilt bereits seit 25 Jahren.

In gleich mehreren Reaktionen auf De Kesels Aussagen verweisen Politiker der verschiedensten Richtungen auf dieses bereits seit 25 Jahren bestehende Gesetz, dass Krankenhäuser gleich welcher Art des Betreibers Abtreibungen nicht verweigern dürfen.

Der flämische Liberale und Abgeordnete im Landesparlament Jean-Jacques De Gucht (Open VLD) ist in seiner Reaktion gegenüber der flämischen Tageszeitung De Standaard sehr direkt: „Die katholischen Einrichtungen leben von Zuschüssen und müssen sich nach dem Gesetz richten. Die flämische Nationaldemokratin und Angeordnete im belgischen Bundesparlament Valerie Van Peel (N-VA) stellt bei Erzbischof De Kesel einen „ernsten Denkfehler“ fest: „Einen individuellen Arzt kann man nicht dazu verpflichten, Sterbehilfe zu geben, doch jede Einrichtung muss Patienten, die dafür in Frage kommen, eine Möglichkeit dazu bieten.“

Zum Thema Sterbehilfe sagte der Mediziner Wim Distelmans, Vorsitzender des staatlichen belgischen Ausschusses für diesen Bereich, ist mit den Ausführungen des Primas der belgischen Katholiken nicht einverstanden. Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte er am Montagmorgen, dass die meisten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen katholischer Verwaltung seien:

„Wir stellen fest, dass solche Einrichtungen sehr oft mit Verzögerungsmanövern arbeiten. Sie verlangen, dass ein Antrag auf Sterbehilfe erst einer ethischen Kommission vorgelegt werden müsse, doch so etwas ist absolut nicht im Gesetz festgeschrieben. Auch sein Vorgänger (Ex-Erzbischof Léonard (A.d.R.)) hat solche Aussagen gemacht und ich hoffe, dass es dabei bleibt. Ich bemerke bei meinen Patienten, ob katholisch oder nicht, dass es wenig mit Glaubensüberzeugung zu tun hat, wenn sie um Sterbehilfe bitten.“