MAS in Antwerpen: Mehr als ein Museum

Mi 04/05/2011 - 15:05 Fremd und doch irgendwie vertraut wirkt der rund 60 Meter hohe Turm mit seiner kantigen Fassade aus Glas und rotem Naturstein zwischen den ehemaligen Hafenbecken im Stadtviertel "Eilandje" (Inselchen), nördlich des Antwerpener Stadtzentrums. Am 17. Mai 2011 wird das MAS/Museum am Strom eröffnet.

Das Gebäude erinnert an die Lagerhäuser ringsherum. Das hatte das niederländische Architekturbüro Neutelings Riedijk auch beabsichtigt, als es den Entwurf einreichte.

Die roten Sandsteinplatten sind handbearbeitet und stammen aus Agra in Nordindien. Sie wurden außer bei der indischen Botschaft in Berlin offenbar noch nie in Europa verwendet. Allein das Baubudget beträgt 33,5 Millionen Euro.

Zehn Stockwerke ragen unweit des Flusses Schelde empor. Bis zum 9. Stockwerk führen Rolltreppen wie eine Wendeltreppe nach oben. Von diesen aus hat der Besucher immer wieder eine andere Aussicht auf Antwerpen, denn die Außenseiten sind mit geschwungenen Glasscheiben aus Italien verkleidet. Diese stellen die Wellen der Schelde dar.

Blick ins Innere und Aussicht auf Antwerpen

VRT

Die Glasscheiben ermöglichen den Besuchern auch einen Blick ins Innere des Museums. Dort wird die Geschichte Antwerpens und der Welt, wie es in einer Pressemitteilung heißt, im "wörtlichen Sinne übereinander gestapelt".

Neben dem Museumscafé STORM im Erdgeschoss, der Verwaltung im ersten Stock und dem Restaurant 't Zilte im neunten Stock, beherbergt das „Museum am Strom“ Objekte des ethnografischen Museums, des Volkskundemuseums Antwerpen und des nationalen Schifffahrtmuseums, die inzwischen geschlossen sind.

Belga

Im dritten Stock finden übrigens Sonderausstellungen statt. Auftakt am 17. Mai bildet die Ausstellung mit dem Titel Meisterwerke im MAS. Fünf Jahrhunderte Bildkultur in Antwerpen. Sie zeigt "die Entwicklung der westlichen Bildkultur, indem sie Spitzenwerke von Malern aus dem 16. und 17. Jahrhundert Werken zeitgenössischer Künstler gegenüberstellt", heißt es in der Pressemitteilung.

"Vor fünfhundert Jahren gingen von Antwerpen wichtige Impulse für die Erneuerung der Malerei aus. Auch heute ist Antwerpen im Bereich der bildenden Kunst tonangebend."

Von der Dachterrasse aus, im zehnten Stock, hat man übrigens einen Panoramablick über Antwerpen: Stadt, Strom und Hafen.

Medaillons und Aluminiumhände

Dreitausend gegossene Aluminiumhände an den Außenwänden des MAS/Museum am Strom lockern die Fassade auf. Die Hand steht als Symbol für Antwerpen. Sie erinnert an eine Legende über die Entstehung des Namens Antwerpen. Ein Riese soll einst den Fluss Schelde bewacht und armen Fischern oder Händlern,  die den Wegzoll nicht bezahlen konnten, die Hand abgehackt und in den Fluss geworfen haben. Silvio Brabo, ein römischer Zenturio, soll sich mit dem Riesen angelegt und ihn besiegt haben. Als Zeichen des Sieges hackte er ihm eine Hand ab und warf sie in die Schelde. Aus dem niederländischen Hand werpen (dt. Hand werfen) soll der Name Antwerpen geworden sein.  Geschichtswissenschaftlern zufolge gehe der Name aber auf „aan de Werft“ (an der Werft) zurück.

Die Aluminiumhände können übrigens von Firmen und Privatpersonen erstanden werden. Damit fördert der Käufer das Museum und trägt so seinen Teil zur Geschichte der Stadt bei. 

An den roten Wänden im Inneren befinden sich auch rund 3.000 Metallmedaillons vom Schriftsteller Tom Lanoye und dem Grafiker Tom Hautekiet. Hautekiet hatte Lanoye gebeten, einen Satz von höchstens 60 Anschlägen zu schreiben, der die Darstellung der "idealen Stadt" umgeben sollte. Eine Zeile ohne Anfang und Ende ist das Ergebnis: "WAAR WATER WAAKT EN WAT ER WAARD WAS LATER WERD BEWAARD ALS (WAAR WATER WAAKT EN...) (sinngemäß, dt.: Wo Wasser wacht und was war wurde später bewahrt als wahr...).

Auf dem Platz vor dem Museum ist ein 1.600 m² großes Mosaik namens "Dead Skull" des berühmten Antwerpener Malers Luc Tuymans. Das Mosaik soll das Gestern mit dem Heute verbinden, genau wie das Museum selbst. Das versteht sich nämlich als ein "Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart einander begegnen".

Informationen (auf Deutsch) auch unter der Website : http://www.mas.be/smartsite.dws?id=MID_LANDING&ch=MID

                                                                                                                                                                                                      Uta Neumann


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