Marieke Vervoort: “Ich will nicht mehr leiden“

So 24/12/2017 - 11:20 In einem Interview mit der britischen Zeitung „The Telegraph“ kündigt die belgische Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort an, sie wolle ihr Leben beenden. Die 38-Jährige, die 2012 in London als Handbikerin Leichtathletik-Gold gewonnen hatte, sagte: "Ich habe so starke Schmerzen. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr leiden."

Die erforderlichen Papiere, um die in Belgien erlaubte Euthanasie (Sterbehilfe) in Anspruch zu nehmen, hat Vervoort bereits seit 2008.

Bei den Paralympics 2016 in Rio gewann Marieke Vervoort im Rollstuhlrennen über 400 m noch einmal Silber (Foto, links). Zu diesem Zeitpunkt hatte sie zu ihrer gesundheitlichen Verfassung erklärt, sie genieße "jeden kleinen Moment". In dem Jahr landete sie bei der Wahl zum Sportler des Jahres in Belgien auf Platz zwei hinter Fußballstar Kevin de Bruyne.

Vervoorts Geschichte kennt in Belgien jeder. Dass sie im Alter von 14 Jahren gesundheitliche Probleme bekam, weil sie an einer unheilbaren degenerativen Muskelerkrankung leidet, die mit einer zunehmenden Lähmung der Gliedmaßen einhergeht. Dann kamen epileptische Anfälle hinzu.

Den Moment ihres Abschieds vom Leben hat sie genau geplant. "Ich schlafe langsam ein und wache eben nicht mehr auf. Meine Eltern und Freunde werden am Bett stehen. Mein Testament ist fertig, die Abschiedsbriefe sind geschrieben", sagte Vervoort, die in der Brüsseler Universitätsklinik liegt. Sie hat auch feste Vorstellungen über ihre Beerdigung. Es soll keinen Gottesdienst geben und keinen Kuchen: "Ich möchte, dass alle mit einem Glas Champagner dastehen und an mich denken."

Ihr Zustand hat sich in der Zwischenzeit aber rapide verschlechtert. "Ich werde immer depressiver, diese Gefühle hatte ich vorher nie. Ich weine sehr oft", sagte Vervoort dem Blatt, "jetzt schwindet auch mein Sehvermögen immer mehr. Bei einem Auge liegt die Sehkraft nur noch bei 20 Prozent, beim anderen bei zehn Prozent. Mein Arzt sagt, er könne nichts machen."

Ihr Vater Jos Vervoort bestätigt, dass es seiner Tochter sehr schlecht geht: „Sie isst kaum noch, nur Pudding geht noch. Es wird nicht mehr lange dauern.“ (Quelle: SID)