Architekt Victor Horta - Vor 70 Jahren gestorben Autor: Andy Kockartz

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Mi 29/11/2017 - 15:36 Update: Mi 29/11/2017 - 17:29 Andy Kockartz Vor fast genau 70 Jahren verstarb der belgische Jugendstil-Architekt Victor Horta (Foto), doch sein Erbe bleibt in zahlreichen Gebäuden weiter erhalten und lockt z.B. in der Hauptstadt Brüssel Touristen in Viertel, die sonst im Verborgenen bleiben würden. Horta wurde Ende des 19. Jahrhunderts rasch auch außerhalb Belgiens bekannt und berühmt. Doch Brüssel ist und bleibt die heimliche Horta-Hauptstadt.

1893 entwirft der damals 32 Jahre alte und aus dem flämischen Gent stammende Architekt Victor Horta das „Maison Tassel“ in der Paul-Emile Jansonstraat im Louiza-Viertel in Brüssel. Dieses Haus wird im Allgemeinen als das erste wirkliche Jugendstilhaus bezeichnet. Schon seinerzeit unterschied sich dieses Gebäude auf den ersten Blick kaum von den Nachbarhäusern, doch beim genaueren Hinsehen entdeckt man schwungvoll geformte Steine, eiserne Elemente und farbige Glasfenster. Im Inneren jedoch offenbart sich die eigentliche Faszination in Hortas Handschrift. Der Architekt gestaltete fast alle Details und sorgte dafür, dass der Lichteinfall diese Gestaltungen weiter unterstreichen konnte.

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Hotel Tassel

A.Kockartz

Mit einigen seiner Häuser und Schöpfungen entwarf Horta wahre Jugendstil-Ikonen und gerade in Brüssel sind einige davon zu finden, die prägend für den Jugendstil, auch als art nouveau bezeichnet, sind. Neben dem Zentralbahnhof und dem heute Bozar genannten Palast der Schönen Künste, die kaum ein Brüssel-Besucher übersehen kann, begeistern bis heute auch eine ganze Reihe anderer seiner Bauten seine Fans, die teilweise aus aller Welt in die belgische und europäische Hauptstadt kommen. Sein eigenes Wohnhaus in der Amerikaanse Straat im Stadtteil Sint-Gillies ist ein wahres Mekka, doch einige ganz spezifische Schöpfungen fallen besonders ins Auge.

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Im Bozar

A.Kockartz

Das sind das belgische Comic-Museum, ein früheres Herrenhaus in der Zandstraat, das bereits erwähnte „Hotel Tassel“, das „Hotel Solvay“ und das „Hotel Van Eetvelde“. Diese Horta-Gebäude sind in die UNESCO-Liste für das Weltkulturerbe aufgenommen worden. Hortas Schaffen dauerte nicht lange, denn der junge Architekt erreichte, wie Fachleute heute meinen, viel zu früh eine Art von Perfektion, die sich irgendwann wohl nicht mehr steigern ließ. Schon sein belgischer Pavillon auf der legendären „art deco-Ausstellung“ in Paris 1925 erregte kaum noch Aufsehen.

Keines seiner Gebäude gleicht dem anderen. Jedes Mal, wenn er einen Auftrag erhielt, passte er sich den Wünschen seiner Kunden an oder gab seine Vorschläge zum Besten, die er zumeist umsetzen konnte. Andere seiner Auftraggeber ließen ihm sogar völlig freie Hand. Das „Hotel Solvay“ in der Louizalaan ist ein Beispiel dafür. Bauherr Armand Solvay aus der Familie der weltbekannten Chemie- und Pharma-Industriellen, gab Horta nicht einmal finanzielle Grenzen vor… Hier sind innen und außen zahlreiche feine und verspielte Details zu entdecken, die Pracht und Luxus ausstrahlen.

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Hotel Solvay

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Im „Hotel Van Eetvelde“ in der Palmerstonlaan unweit des heutigen Europaviertels zeigte Horta eine andere Herangehensweise. Auftraggeber Baron Van Eetvelde (damals, in der Bauzeit zwischen 1895 und 1897 für die Kolonie Kongo zuständiger Staatssekretär von König Leopold II.) suchte nach großen Räumen und ermöglichte dem Architekten Experimente mit Eisen. Dieses Baumaterial nutzte Victor Horta zum einen für die Statik der hohen und lichtdurchfluteten Räume und zum anderen auch für die verspielte Struktur der Fassade.

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Hotel Van Eetvelde

A.Kockartz

Comics im Jugendstil-Paradies

stripmuseum.be

Während einige der Horta-Ikonen in Brüssel für die Öffentlichkeit nur bedingt besuchbar sind (z.B. an den Tagen des offenen Denkmals), bietet das Belgische Comic-Zentrum (kl. Foto) in der Zandstraat unweit der Brüsseler Kathedrale und des Kulturzentrums Botanique in Brüssel Einblick für Jedermann in das Faszinosum Victor Horta (und gleichzeitig in die Kunst des Comics).

Dieses prächtige Gebäude war 1906 Sitz des Textilgroßhandels des Unternehmers Charles Waucquez und ist heute auch als das „Kaufhaus Waucquez“ bekannt. Erst 1975 aus seinem Dornröschenschlaf erwacht (bzw. wiederentdeckt) wurde es als das mittlerweile weltbekannte Comic-Museum im Oktober 1989 eröffnet. Dieses Museum profitiert in besonderem Maße von der Verspieltheit der von Horta genutzten Eisenelemente und auch von dessen Suche nach Lichteinfall.

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Eher dunkel mutet jedoch das „Maison Autrique“ im Haachtsesteenweg im Ortsteil Schaarbeek an. Dieses wie das „Hotel Tassel“ 1893 entstandene Gebäude ist insofern wichtig, weil es für Victor Hortas Entwicklung steht. Hier zeigte sich zum ersten Mal dessen deutliche Handschrift - außen, auf der Fassade und im Inneren. 2005 wurde dieses Haus einer umfangreichen Restaurierung unterworfen, die die bedeutenden Comic-Zeichner- und Autoren Schuiten und Peeters begleiteten (François Schuiten ist übrigens auch Kurator des ebenfalls in Schaarbeek befindlichen Eisenbahnmuseums „Trainworld“).

Das „Maison Autrique“ ist vom Keller bis unters Dach begeh- und besuchbar und gilt als eine der besten Hommagen an Victor Horta. Dieses Gebäude ist als Museum mit besucherfreundlichen Öffnungszeiten gesegnet und die Restaurierung erhielt im Jahr der Renovierung auch den Europäischen Denkmalschutzpreis von „Europa Nostra“.

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Im Maison Autrique

A.Kockartz

Victor Horta

Victor Horta kam am 6. Januar 1861 in Gent zur Welt und starb am 8. September 1947 im Brüsseler Stadtteil Etterbeek. Noch während er in seiner Heimatstadt das Abitur machte, schrieb er sich in Brüssel für ein Studium der Innenarchitektur ein. Aufenthalte in Paris und London brachten ihn in Kontakt mit der Welt der Künstler, was sich in seinem Schaffen als Architekt und Jugendstilpionier deutlich zeigt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er quasi über Nacht bekannt und erreichte leider schon sehr früh eine Perfektion, die ihresgleichen suchte.

Doch sein Stern verblasste rasch. Andere Jugendstil- und art deco-Architekten übernahmen die Schlagzeilen und wurden weit über die Grenzen Belgiens und dauerhafter bekannt. Horta jedoch geriet in der Zwischenkriegszeit schon fast in Vergessenheit. Für seine Verdienste um die Architektur wurde ihm allerdings 1932 von König Albert I. der Adelstitel „Baron“ verliehen.

Infobox

Hortamuseum
Amerikaansestraat, 25
1060 Brussel (Sint-Gillis)
info@hortamuseum.be
Tel: 02/543.04.90
http://www.hortamuseum.be

Neben dem Hortamuseum lädt in diesen Tagen auch das Jubelparkmuseum zu einer interessanten Ausstellung ein. Unter dem Titel „Horta und Wolfers“ zeigt das Museum die von Victor Horta entworfene Inneneinrichtung des Silber- und Juwelierladens Wolfers Frères, die 1909 geplant und von der britischen Firma F. Sage & Co. errichtet wurde. 1973 ging das Gebäude der Familie Wolfs an die KBC Bank und die vollständig erhaltene Geschäftseinrichtung wurde dem Jubelparkmuseum übereignet, wo sie ab und zu zu sehen ist, wie auch jetzt wieder und zwar noch bis zum Jahresende 2018.

Jubelparkmuseum
Jubelpark 10, 1000 Brussel
info@kmkg.be
02 741 73 31
http://www.kmkg-mrah.be