Brüssel und Flandern: Kultur in Herbst und Winter Autor: A.Kockartz

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Fr 03/11/2017 - 15:46 Update: Fr 03/11/2017 - 16:54 A.Kockartz In den kommenden Wochen und Monaten bieten die Hauptstadt Brüssel und das belgische Bundesland Flandern zahlreiche hochinteressante Ausstellungen und dies nicht nur im Bereich Kunst und Kultur, sondern auch aus geschichtlicher Hinsicht. Schön ist, wenn beides zusammen möglich ist, wie einige Konzepte, die jetzt zu sehen sind, beweisen.

Gerhard Richter - About Painting

Das Städtische Museums für Aktuelle Kunst in Gent (S.M.A.K.) ehrt den deutschen Maler Gerhard Richter zu dessen 85. Geburtstag mit einer umfassenden Werkschau. Richter, der als einer der wichtigsten Gegenwartskünstler überhaupt gilt, stellt in Gent schwerpunktmäßig Werke aus den 1960er und 1970er Jahren aus.

Neben Gemälden sind dort auch Installationen zu sehen und zwar vielfach über Türen und Fenster als häufig vorkommende Motive. „Gerhard Richter- About Painting“ ist noch bis zum 18. Februar im SMAK in Gent zu sehen.

Info: smak.be

Robert Doisneau

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Wer kennt nicht das berühmte Foto „Le baiser de l‘hôtel de la ville“, auf dem ein junger Mann scheinbar spontan seine schöne Geliebte küsst. Dieses und andere klassische Bilder des wohl berühmtesten Street-Photographers der Welt sind noch bis zum 2. Februar 2018 im Museum von Elsene (ein Stadtteil von Brüssel) zu sehen. Robert Doisneau schoss seine Bilder vor allem in der französischen Hauptstadt Paris, wo ihm in den 1950er und 1960er Jahren eine besondere Leichtigkeit viele Motive bot. Frankreich erholte sich gerade von der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs und dieses Wiederauferstehen hielt Doisneau in Fotos fest, die längst zu Ikonen geworden sind.

Info: www.museumvanelsene.be

Christo and Jeanne-Claude - Urban Projects

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Der Verpackungskünstler Christo ist nicht erst seit dem er den Berliner Reichstag in Tücher gehüllt hat, weltberühmt. Er und seine 2009 verstorbene Frau Jeanne-Claude haben eine lange Liste an Projekten aufzuweisen, bei denen Bauwerke oder andere Objekte durch Verpackung oder andere Verfremdungsmittel kurzzeitig auf eine unnachahmliche und mitunter besonders ästhetische Art und Weise auf ihre Form reduziert wurden. Das ING Arts Center in Brüssel zeigt noch bis zum 25. Februar 2018 anhand von Modellen, Zeichnungen und anderen Borprojekten, wie solche zeitlich begrenzten Kunstwerke entstanden. Hinzu kommen über 100 Bilder von Christos Haus- und Hoffotograf Wolfgang Volz, der zahlreiche Werke meisterhaft auf Platte brennen konnte.

Info: www.ing.be/art

Gastfreundliches Brüssel?

Belga

Das Jüdische Museum von Brüssel bietet bis zum 18. März 2018 eine Ausstellung zu einem Thema, dass derzeit in aller Munde ist: Die Einwanderung. Die belgische Hauptstadt Brüssel ist zu allen Zeiten eine Einwandererstadt gewesen. Hierher kamen und kommen nicht nur Menschen, die sich ein neues Leben aufbauen wollen, sondern auch solche, die vor den Umständen in ihren Heimatländern schlicht und einfach fliehen. Viele dieser Neu-Brüsseler haben diese Stadt geprägt und diesem Umstand zollt das Jüdische Museum mit seiner ersten Ausstellung nach umfangreicher Renovierung Respekt mit einer Ausstellung, die sowohl mit wunderbaren Fotos als Dokumenten lockt, als auch einen historischen Blick auf die belgische und europäische Hauptstadt wirft, der in dieser Intensität noch nicht gezeigt wurde. Nach der Ausstellung mit Fotos von Henri Cartier-Bresson nach dem Terroranschlag auf das Museum beschlossen die Verantwortlichen dort, ihr Spektrum von bisher gezielt jüdischen Themen auf andere gesellschaftliche Bereiche auszuweiten.

Info: www.mjb-jmb.be

Europalia Arts Festival: Indonesien

Belga

Seit 1969 lädt die belgische Kunstbiennale Europalia Gastländer aus, die sich über ihre Kunst und Kultur in Brüssel und darüber hinaus in anderen belgischen Städten vorstellen. Zum Jahreswechsel ist Indonesien an der Reihe. Spannend an einer Europalia-Saison ist, dass sich diese Länderpräsentationen bei weitem nicht nur auf Ausstellungen reduzieren, sondern breitgefächert und stilübergreifend organisiert sind. Das geht von Ausstellungen zu Geschichte oder Archäologie über Tanzvorstellungen und Konzerten bis hin zu Performances, kulinarischen Events oder auch Ausstellungen mit moderner Kunst oder mittlerweile Multimedia-Shows. Mit Indonesien stellt sich hier ein Land vor, dass auf kultureller Ebene vielen von uns bisher wohl verborgen blieb. Das ändert die laufende Europalia-Saison gerade auf umwerfende Art und Weise.

Info: https://europalia.eu

Pieter Pourbus und die vergessenen Meister

Das Groeningemuseum in Brügge bietet eine abwechslungsreiche Übersicht der Geschichte der bildenden Kunst in Belgien/Flandern, deren Höhepunkt wohl die „Flämischen Primitiven“ darstellen. Daneben sind dort auch neoklassizistische Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Meisterwerke der flämischen Expressionisten und moderne Kunst aus der Nachkriegszeit zu entdecken. Jetzt lockt dieses Museum mit einer Ausstellung zu Künstlern, die bisher einem größeren Publikum verborgen blieben: „Pieter Pourbus und die vergessenen Meister“. Die Ausstellung widmet sich dem Leben und dem Werk von Malern, wie Pieter Pourbus, Marcus Gerards sowie Pieter I. Claeissens und seinen Söhnen Gillis, Pieter II und Antonius. Brügge wirtschaftlicher Höhepunkt war im Laufe des 16. Jhdt. zu Ende und alle Blicke richteten sich gen Antwerpen. Dabei wurden auch die künstlerischen Talente des „Venedig des Nordens“ übersehen. Das will das Groeningemuseum in Brügge bis zum 28. Januar 2018 ändern.

Info: www.groeningemuseum.be

Ai Weiwei - Mirror

Fotografie spielt im Leben und in der Selbstdarstellung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei eine große Rolle und dies nicht erst seit dem unsere Mobiltelefone fotografieren können. Viele Aktionen und Statements von ihm sind von Fotos untermalt, sei es als Kunstwerk oder als Beitrag auf sozialen Netzwerken. Das Antwerpener Fotomuseum (FOMU) widmet den Selfies und den fotografischen Selbstportraits von Ai Weiwei jetzt eine eigene Ausstellung. Diese Ausstellung beleuchtet die visuelle Kritik des in seiner chinesischen Heimat nicht gerne gesehenen Künstlers über sein gesamtes bisheriges Schaffen hinweg. Doch das Fotomuseum in Antwerpen ist nicht nur wegen "Ai Weiwei – Mirror“ einen Besuch wert. Hier laufen stets verschiedene Ausstellungen gleichzeitig und die eigene Sammlung des Hauses ist sowohl wegen seines Fotoarchivs lohnenswert, als auch wegen seiner Kollektion an Kameras und anderen technischen Geräten aus der Geschichte der Bildverarbeitung beeindruckend.

Info: www.fomu.be