Deutsche Stimmung in Antwerpen Autor: Uta Neumann

dasKULTURforum
Fr 27/05/2016 - 14:18 Uta Neumann "dasKULTURforum" in Antwerpen will über Kulturangebote die Sichtbarkeit deutscher Kultur in Antwerpen erhöhen. Der "Berliner Herbst 2013" und "dasFestival/KÖLN 2015/16" sowie die Gesprächsreihe "Germans of Antwerp" gehören zum Beispiel zu den Veranstaltungen, die das Forum auf die Beine gestellt hat. Ine Van linthout stammt aus Antwerpen und steht seit der Gründung des KULTURforums 2012 hinter dem Projekt. Wir haben mit ihr über die Entwicklung dieser Initiative gesprochen und über ihre Ideen für den kommenden Herbst. Dann steht wieder ein größeres deutsches Projekt in Antwerpen an.

"Wir sind 2012 aus einer kleinen Initiative heraus und unter dem Dach der Belgisch-Deutschen Gesellschaft Flandern in Antwerpen entstanden. Heute sind wir ein selbständiger Verein, der als offizieller Partner auch ins Netzwerk der Kulturgesellschaften des Goetheinstituts aufgenommen worden ist. Wir bekommen Unterstützung von der Stadt Antwerpen und sind inzwischen etablierter, so dass wir weiterhin ein eigenes Kulturangebot in Antwerpen anbieten können", erklärt Ine Van linthout auf die Frage, was aus der Idee von einst, nämlich Deutschland nach Antwerpen zu holen, geworden sei.

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So lag es 2012 zunächst nahe, dass man einmal die deutsche Hauptstadt Berlin mit einem ersten großen Projekt in Form von unterschiedlichen Kulturveranstaltungen nach Antwerpen holte. Und in diesem Jahr war Köln, die Stadt am Rhein mit ihrem Karneval, der Straßenkunst und ihren Kunstfestivals sowie ihrem Humor, den Filmemachern und der hippen Modeszene an der Reihe. "Es war fantastisch, mit diesen beiden Städten zu arbeiten, insbesondere, da ich an beiden wirklich hänge. Ich habe selbst eine Zeit lang in Köln und Berlin studiert und gewohnt und mich in die beiden Städte verliebt. Während der Festivals konnte ich beide Metropolen erneut ein Stück weit erleben", so die Flamin.

Stimmung von Köln nach Antwerpen holen

Das Forum wolle auch nicht nur deutsche Besucher begeistern und die deutsch-Antwerpener Community wiederbeleben, sagt Ine, sondern ganz allgemein an der deutschen Sprache und Kultur Interessierte, also ein breites Publikum, erreichen.

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Um die richtige Stimmung von Köln nach Antwerpen zu bringen, haben Ine und ihr Team, das bis auf eine festangestellte Teilzeitkraft aus ehrenamtlichen Mitarbeitern besteht, unterschiedliche Events organisiert, zum Beispiel eine Filmreihe, die entweder in Köln spielt oder mit deutschen Regisseuren besetzt ist, darunter ein Porträt über Gerhard Richter mit einmaligen Einblicken in die Arbeit des Künstlers. Auch der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel ist im Rahmen des Festivals mit seinen Sprühdosen in Antwerpen aufgeschlagen und hat diverse Galerien mit seinem Gütesiegel beglückt.

Außerdem wurde ein Stadtplan erstellt, in den Kölner Spuren aufgenommen wurden: Vom ersten Eisernen Rhein, der Köln und Antwerpen verbunden hat, über den Kölner Händler Tietz, der einst dort, wo heute das Kaufhaus Galeria Inno steht, ein elegantes Warenhaus auf der Antwerpener Meir betrieb, bis hin zu einem Kölner Elefanten im Antwerpener Zoo.

"Wenn man auf die Suche geht, macht man immer wieder überraschende Entdeckungen"

Da Antwerpen fast immer auch mit Mode in Verbindung gebracht wird, fanden im Rahmen des "dasFestival/KÖLN" Veranstaltungen rund um die Stoff-Kunst und Made in Köln statt. "So haben wir unter anderem mit der Kostümdesignerin Elif Korkmaz gesprochen, die in Köln aufwuchs und sich in Antwerpen ihr eigenes Atelier eingerichtet hat."

Antwerpen hat relativ viele Einwohner deutscher Herkunft. Zahlen des Jahres 2015 zufolge sind es rund 2.600. "In unserer Reihe 'Germans of Antwerp' geben wir dieser Gemeinschaft ein Gesicht", erklärt Ine weiter.

"DasFestival/Köln" geht zwar schon langsam zu Ende, doch die kreative Hafenstadt an der Schelde ist noch in vielen weiteren Bereichen und auf ganz unterschiedliche Art mit Deutschland verbunden. Somit bieten sich für die Zukunft weitere Projekte mit anderen Städten oder Regionen in Deutschland an.

"Wenn man auf die Suche geht, macht man immer wieder überraschende Entdeckungen. Zum Beispiel hat die sogenannte 'deutsche Kolonie' in Antwerpen Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts stark zu unserem heutigen Stadtbild beigetragen. Nehmen Sie den Marktplatz: Die Familie Kreglinger aus Karlsruhe restaurierte dort fünf Zunfthäuser. Und das Brabo-Denkmal - das sehr eng mit der Antwerpener Stadtlegende verbunden ist - wurde vom deutschen Händler August Nottebohm finanziert, einem Nachkommen der wichtigen Mäzen-Familie, nach der der prächtige Nottebohmsaal in der Hendrik Consciencebibliothek benannt wurde. Der Saal ist übrigens einer der schönsten Bibliothekssäle Belgiens", fügt die Flamin noch an.

Und sie weist jetzt schon darauf hin, dass sie und ihre Leute für diesen Herbst, das heißt zum 60-jährigen Kulturabkommen zwischen Deutschland und Belgien, ein Event planen. "Außerdem wird es auch zahlreiche Veranstaltungen rund um die Buchmesse in Frankfurt geben, auf der Flandern und die Niederlande dieses Mal Gastland sein werden. Gleichzeitig werden vor diesem Hintergrund mehr deutsche Autoren nach Belgien kommen. So gibt es verschiedene Initiativen, um die deutsche Literatur hierzulande bekannter zu machen und zu fördern und dort möchten wir anschließen."

Allerdings seien Deutschland und die deutsche Kultur "keine einfach zu verkaufende Marke". Mit den Besucherzahlen des ausklingenden Projekts "dasFestival/KÖLN" ist Ine, die hauptberuflich als Professorin an der Universität Gent arbeitet, dennoch zufrieden. So seien verschiedene Veranstaltungen wie der Dokumentarfilm über Gerhard Richter mit fast 100 Zuschauern ausverkauft gewesen. Der Vortrag über 'Mode und Kunst' habe an die 50 Zuhörer im Saal gehabt und aus dem Event mit den drei Galerien in Antwerpen seien gleich fünf Galerien geworden.

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