Umicore: Neues Werk in Polen und nicht in Flandern Autor: A.Kockartz

Belga
Mo 04/06/2018 - 12:56 A.Kockartz Der belgische Material-, Technologie- und Recyclingkonzern Umicore wird sein neues Batteriewerk nicht, wie erhofft, auf dem früheren Opel-Gelände in Antwerpen errichten, sondern in Nysa in Polen. Die Nähe zu wichtigen Kunden in Osteuropa habe dazu den Ausschlag gegeben, hieß es dazu bei Umicore.

Umicore baut im polnischen Nysa eine Fabrik für die Herstellung von Materialien zur Produktion von aufladbaren Batterien. Im belgischen Bundesland Flandern hatte man gehofft, dass der Konzern sein neues Werk auf dem Gelände der früheren Opel-Liegenschaften im Antwerpener Hafen errichten würde, doch dem ist nicht so, wie Umicore bekannt gab.

Flandern hatte gehofft, dass die rund 400 Arbeitsplätze, die Umicore für sein neues Werk schaffen wollte, im Raum Antwerpen geschaffen würden, doch der Konzern entschied anders und zwar im Hinblick auf Kunden für seine Produkte. Das neue Werk entsteht in Nysa unweit der polnisch-tschechischen Grenze und soll seine Produkte auf kurzem Wege zum Abnehmer Samsung liefern, der hier sein neues Batterie-Werk errichten wird. Bis 2020 soll die Fabrik fertig sein und produzieren.

Drei Faktoren brachten den Entschluss

Die flämische Regionalzeitung Gazet Van Antwerpen schreibt dazu, dass Umicore drei Faktoren berücksichtigte, um einen Standort für das neue Werk zu finden: Die Nähe zu Kunden und Abnehmern, die Verfügbarkeit von geschultem Personal und die Verfügbarkeit von umweltfreundlicher Energie. Damit trifft der belgische Konzern gleich zweimal einen sensiblen Nerv. Die belgische Wirtschaft klagt nicht erst seit gestern über einen akuten Facharbeitermangel und umweltfreundliche Energiequellen sind hierzulande weiterhin nur wenig entwickelt, vor allem auf groß-industrieller Ebene.

"Peinlich"

Ökonomen und Politiker nennen die Tatsache, dass Umicore nicht in Flandern investiert, einen „peinlichen Vorgang“ für die flämische Landesregierung. Volkswirt Geert Noels von Econopolis kritisiert in diesem Zusammenhang einmal mehr die weiterhin hohen Lohnkosten in Belgien und die Tatsache, dass Umicore hier keine CO2-freie Energie finden kann, sei ebenfalls kein Ruhmesblatt für unser Land: „Wenig Transparenz zur Energiepolitik für die kommenden 10 bis 20 Jahre zu haben und vielleicht noch länger, spielt doch eine große Rolle.“

Die Kritik, dass man einen osteuropäischen Standort nur gewählt habe, um mit billigen Arbeitskräften produzieren zu können und weil in Polen eventuell weniger scharfe Umweltregelungen angewendet werden, lässt Umicore nicht auf sich sitzen.

„Das Polen bessere Abwasserregelungen hat? Das ist ein Hinweis auf einen Herstellungsprozess, der nicht wirklich in unseren Aktivitäten vorkommt“, sagte Umicore-Sprecherin Marjolein Scheers gegenüber Gazet Van Antwerpen zu den Vorwürfen, die u.a. von Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever kamen. De Wever gab gegenüber der gleichen Zeitung an, dass man hier eben mit den Lohnkosten und den Umweltfaktoren in Polen nicht konkurrieren könne.