Flandern: Zeitungsläden sollen nicht aussterben Autor: A.Kockartz

Belga
Mo 14/05/2018 - 15:16 A.Kockartz Die Zahl der klassischen Zeitungsläden im belgischen Bundesland Flandern befindet sich im freien Fall. Von fast 2.000 dieser Läden vor 10 Jahren sind heute nur noch knapp 1.500 übrig, melden am Montag gleich mehrere flämische Tageszeitungen. Der flämische Mittelstands- und Unternehmerverband Unizo bringt jetzt ein Pilotprojekt auf den Weg, über das Zeitungshändlern dabei geholfen wird, ihre Angebotspalette zu erweitern.

Gemeinsam mit Unizo läuten die flämischen Tageszeitungen Het Nieuwsblad, de Gazet van Antwerpen, Het Belang van Limburg und De Standaard an diesem Montag die Alarmglocken. Neben den Abonnements und ihrem Onlineangebot ist der klassische Verkauf im Einzelhandel für die Zeitungsredaktionen und -verlage auch im belgischen Bundesland Flandern eine wichtige Einnahmequelle, die es gilt, überleben zu lassen.

Wie es um einen nicht unerheblichen Teil der klassischen Zeitungsläden in Flandern bestellt ist, unterstreicht Luc Ardies von Unizo mit dramatischen Zahlen: „Nicht weniger als vier von zehn Zeitungsläden fahren Verluste ein und ein Betreiber eines solchen Geschäfts verdient durchschnittlich pro Monat 1.666 €.“

Dass man heutzutage mit einem solchen Laden nicht mehr reicht wird, liegt auf der Hand. Die Einnahmen solcher Zeitungsläden basieren auf nur drei Basisangeboten: Tabaksprodukte, Zeitungen und Zeitschriften sowie Glücksspiele und Lotto. Laut Einzelhandelsverband Unizo beträgt die Gewinnmarge (Umsatz nach Einkauf) in Flandern in diesen Produktbereichen 10,66 %: „Diese Marge ist zu klein, um alle entstehenden Betriebs- und Personalkosten zu decken.“

Pilotprojekt

Unizo und Kompetenzzentrum des Tageszeitungshandels bringen jetzt ein Pilotprojekt auf den Weg, mit dem selbständige Zeitungshändler unter Aufsicht von Finanzberatern mit neuen Angeboten bzw. mit Angebotserweiterungen experimentieren können. Ziel ist hier, Ausschau nach Produkten zu halten, die höhere Gewinne und bessere Margen abwerfen können.

Luc Ardies von Unizo erläutert: „Das geschieht u.a. anhand einer Diversifizierung der Angebotspaletten und einer Mischung aus Dienstleistung und Warenangebot, die zum einen eine bessere Rentabilität bieten und die zum anderen stark auf den lokalen Markg abgestimmt wird. Zudem soll die Produktpalette schneller rotieren und abwechslungsreicher werden.“

Konkret könnte zum Beispiel ein Zeitungsladen in einer ländlichen Gemeinde durchaus auch Brot und Lebensmittel anbieten, wenn dort der letzte Bäcker und der letzte „Tante Emma-Laden“ dichtgemacht haben. In der Nähe von Schulen könnte die Produktpalette auf Unterrichtsmaterial, auf Drucker oder auf Fotokopien erweitert werden, während in städtischen Bereichen mehr (alkoholische) Getränke und Tabaksprodukte angeboten werden könnten, wie Unizo dazu angibt.

Interessierte Zeitungshändler aus Flandern können sich ab sofort bei Unizo für eine Teilnahme an einem der Projekte im Rahmen des Programms „Vom Zeitungshandel zum Einzelhandelsgeschäft 3.0“ anmelden. Die ersten Pilotprojekte werden schon vorbereitet und richten sich themengerecht an Gruppen von Händlern und Geschäftsführern aus Flandern in diesem Bereich.