Güterbahn in Belgien: Aus B Logistics wurde Lineas Autor: A.Kockartz

Mo 15/05/2017 - 14:51 A.Kockartz Von der Öffentlichkeit in Belgien fast unbemerkt hat sich in den vergangenen Jahren bei der Frachttochter der belgischen Staatsbahn einiges grundlegend geändert. Aus der mit hohen Verlusten arbeitenden Gütersparte B Logistics wurde ein wirtschaftlich und finanziell gesundes privatwirtschaftliches Unternehmen, dass mit seit einigen Wochen dem neuen Namen Lineas auch auf internationaler Ebene weiter punkten will.

Lineas wirbt mit dem Slogan „Your Freight Force“ für sich selbst und für die logistischen Trümpfe der Eisenbahn. Das dies nicht unbedingt übertrieben ist, zeigt die Tatsache, dass B Logistics/Lineas inzwischen als eines der gesündesten privaten Eisenbahnunternehmen in Europa gilt. B Logistics CEO Geert Pauwels präsentierte das Projekt Ende April in Brüssel vor Fachleuten aus dem Bereich Bahnlogistik.

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Innerhalb von acht Jahren vollzog sich der Umbruch bei B Logistiks von einem fast ruinierten Bahnlogistiker einer Staatsbahn (der belgischen NMBS/SNCB) zu einem gesunden Unternehmen. Dabei halten Investitionen der private equity-Gruppe Argos Soditic, die seit 2015 69 % des Unternehmens besitzt. Die restlichen Anteile verbleiben bei der NMBS/SNCB. Inzwischen befördert Lineas jährlich rund 31,5 Mio. Tonnen Waren und Güter.

Der neue Markenname Lineas symbolisiert nach eigenen Angaben die Verbindungen, die das Unternehmen heute auf der Schiene zwischen den verschiedensten europäischen Hubs schafft und die direkten Linien, die zwischen Kunden und Partnern auf der einen und dem eigenen Unternehmen uns seinen Mitarbeitern bestehen sollen. Der neue Unternehmensslogan „Your Freight Force“ verweist denn auch auf die Kraft der Eisenbahn als solcher, der eigenen Produkte und des eigenen Teams.

Das Unternehmen will nicht nur Gütertransporte auf der Schiene und intermodalen Verkehr (Container und LKW-Auflieger auf der Schiene) anbieten, sondern diese auch weiter verbessern. Lineas hat sich zur Aufgabe gemacht, Industriekunden derart gut entwickelte Produkte anzubieten, dass diese für den Transport ihrer Erzeugnisse auf die Bahn setzen und Lineas wählen. Diese Kunden sollen mit dem Unternehmen nicht nur ihre eigenen Lieferketten verbessern, sie können zudem einen Beitrag zu einer schnelleren Mobilität und einer besseren Umwelt leisten, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung von Lineas.

Neue Verkehre nur im Ausland

Das Unternehmen arbeitet derzeit mit rund 1.900 Mitarbeiter und verfügt neben Belgien über Standorte in Frankreich, Italien, in den Niederlanden und in Deutschland. Zu Lineas über 200 Lokomotiven (Diesel- und E-Loks) und rund 7.000 Waggons für alle möglichen Transportzwecke. Inzwischen fährt auch eine Lokomotive in einem neuen Lineas-Design und zwar eine von Bombardier hergestellte Maschine vom Typ Traxx.

B Logistics/Lineas fährt übrigens seit Februar sechs Züge pro Woche mit Kohle von Rotterdam aus nach Moers am Niederrhein in Nordrhein-Westfahlen. Dies ist der erste Transportauftrag für dieses belgische Unternehmen, der das eigene Land nicht berührt. Diese Transporte finden im Auftrag der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe (NIAG) statt, die in Moers einen Hub unterhalten, von dem aus ausländische Kohle an verschiedene deutsche Kraftwerke vertrieben wird. Gefahren wird mit Traxx-Lokomotiven, von denen jeweils zwei Maschinen vor einen Zug gespannt werden.