Vor 100 Jahren: Die Schlacht von Passendale Autor: Andy Kockartz

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So 30/07/2017 - 09:51 Update: So 30/07/2017 - 14:43 Andy Kockartz Am 31. Juli 1917 begann die 3. Schlacht von Ypern, auch die Schlacht von Passendale genannt. Diese Schlacht gilt als eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs und auch als eine der sinnlosesten Kampfhandlungen, wie man heute weiß. Rund drei Monate taktisches und politisches Versagen sorgte seinerzeit für rund 150.000 Tode und bis zu 300.000 Verwundete. In diesen Tagen finden in Westflandern Gedenkfeiern statt, die an dieses Ereignis erinnern sollen.

Die Schlacht

Passendale, ein kleines bis dahin unscheinbares Dorf in der sogenannten Westhoek unweit von Ypern, gilt bis heute und wohl auch bis in alle Ewigkeit als Symbol für eine der grausamsten und sinnlosesten Schlachten während des „Großen Krieges“. Zwischen dem 31. Juli und dem 17. November 1917 verloren hier rund 150.000 Soldaten ihr Leben (und nicht, wie man heute weiß, 500.000 Tote) und etwa doppelt so viele wurden verwundet.

Als die britischen Truppen am 17. November 1917 ihre Versuche, die deutschen Linien zu durchbrechen, aufgaben, waren Wiesen und Wälder in dieser Gegend nur noch Dreck und Schlamm und vom Dörfchen Passendale existierte nur noch ein Haufen Trümmer und die Krater, Schützengräben und Felder waren soweit das Auge reichte mit den Leichen der gefallenen Soldaten übersäht.

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Eigentliches Ziel dieser desaströsen Schlacht war Ende Juli 1917 das Vorhaben der Alliierten, die deutschen Linien, die in einem Bogen rund um Ypern lagen, in einem Durchstoß zu durchbrechen, um dann weiter in Richtung Antwerpen vorstoßen zu können. Doch politische Fehlanalysen, eine schlechte Kommunikation zwischen den an den Angriffen beteiligten Armeeinheiten in Kombination mit einer gänzlich fehlenden Übersicht über das Kampfgelände führten dazu, dass das ganze Vorhaben misslang.

Nicht zuletzt lag das auch daran, dass die alliierten Generäle monatelang an ihrer gewählten Taktik festhielten, obwohl die ständigen Sturmangriffe auf die deutschen Linien kaum zu Geländegewinnen führten. Nach rund drei Monaten sinnlosem Gemetzel blieb die Situation so, wie sie vorher war: Die feindlichen Truppen lagen sich in ihren Stellungen weiter Auge in Auge und oft nur wenige 100 Meter voneinander entfernt gegenüber und die Frontlinie hatte sich fast kaum verändert.

Die alliierten Befehlshaber

Auf der alliierten Seite hatten hier in einer ersten Instanz der als arrogant bekannte britische Feldmarschall Douglas Haig und sein ihm ergebener aber inkompetenter General Herbert Gough, der den Angriff anführte, das Sagen. Nach rund zwei Monaten herber Verluste und Fehlentscheidungen musste Gough das Feld räumen und wurde durch General Herbert Plumer ersetzt. Dieser änderte die Taktik seines Vorgängers und ersetzte dessen Großangriffe durch kleinere zielgerichtete Attacken, die den Feind auf Dauer erschöpfen sollten. Dieses Vorgehen hatte Plumer von dem französischen General Pétain übernommen, der damit in seinem Land Erfolge verbuchen konnte.

Doch General Plumers Taktik kam zu spät und er konnte nach zwei Monaten pausenlosen Kämpfen seine Truppen kaum noch effektiv einsetzen. Hätte Feldmarschall Haig nicht so lange an seiner offensiven Taktik und an seinem General Gough festgehalten, hätte die Schlacht wohl früher und vielleicht auch erfolgreich und weniger verlustreich beendet werden können, wie Historiker heute wissen.

Die Deutschen

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Die deutschen Verteidiger, General Erich Ludendorff von der Obersten Heeresleitung, und die Befehlshaber in Flandern, die Generäle Kronprinz Rupprecht von Bayern und Sixt von Armin, hielten den britischen Angriffen rund 100 Tage lang stand. Nach vielen intensiven Studien und neuen Erkenntnissen ist heute auch bekannt, dass die Schlacht von Passendale vielleicht gar nicht stattgefunden hätte, doch auch die Deutschen hatten mit nicht unerheblichen Problemen zu kämpfen.

Zum einen waren dies die Folgen der zerstörerischen Minenexplosionen von Mesen. Am 7. Juni 1917, brachten die Alliierten 19 britische Minen unter den deutschen Stellungen zur Explosion. Die nachfolgende Schlacht von Mesen, die als Auftakt zur 3. Flandernschlacht/Schlacht von Passendale gilt, verloren die Deutschen.

Bei der Explosion starben innerhalb von 30 Sekunden etwa 10.000 deutsche Soldaten, vor allem Einheiten aus der 3. Bayerischen Division. Die Briten und ihre Alliierten, zumeist Kanadier, Australier und Neuseeländer, feuerten nach diesen Detonationen ein Trommelfeuer aus rund 2.250 Geschützen auf die deutschen Stellungen ab.

Ein anderer Kriegsverlauf?

Nach diesem Artilleriefeuer stürmten 9 Divisionen der britischen 2. Armee die schwer zerstörten deutschen Stellungen. Dabei nahmen sie Giftgas zur Hilfe und es kamen neuartige Panzer dabei zum Einsatz.

Damit brachen sie die deutsche Abwehr endgültig. 7.500 deutsche Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft und anderen Einheiten blieb nur der Rückzug. Allerdings sorgten die alliierten Angriffe auch auf deren Seite für schwere Verluste. Rund 11.000 Mann fielen, wurden verwundet oder bleiben bis heute vermisst.

Zudem hatten die Deutschen Nachschubprobleme, durch die sie eigene offensive Vorhaben auf die lange Bank schieben mussten. General Rupprecht von Bayern hatte versucht, den Briten zuvorzukommen und sie bereits im Frühjahr 1917 entscheidend zu schlagen, doch das Heranführen von Material und weiteren Einheiten erweis sich als träge und so wurden diese Angriffe aufgehoben. Ob diese Angriffe auf Dauer erfolgreich gewesen wären, wissen wir nicht. Vermutlich hätten danach aber so blutige und sinnlose Schlachten, wie die von Passendale, gar nicht stattgefunden.

Gedenkfeiern

Ab dem 30. Juli 2017 organisieren die britischen Behörden gemeinsam mit der Gemeinde Zonnebeke, zu der der Weiler Passendale gehört, und dem belgischen Staat sowie den flämischen Landesbehörden umfangreiche Zeremonien und Feierlichkeiten, um den Opfern dieser Schlacht zu gedenken. An diesen Feierlichkeiten nehmen auch Vertreter des britischen und des belgischen Königshauses teil, sowie die Commonwealth War Graves Commission.