Über Kultur zur Einheit zurückfinden Autor: Uta Neumann

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Mi 31/01/2018 - 23:22 Uta Neumann Beim Europäischen Jahr des Kulturerbes 2018 haben sich ihre Bedenker wohl eines bekannten Zitates von Wilhelm von Humbold bedient, das da lautet: "Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft". In Zeiten des Brexits, der Herausforderung von Migration und zunehmendem Populismus bekommt dieser Satz wieder großes Gewicht in der Europäischen Union. Hat Brüssel in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer wieder versucht, die zunehmende Kluft zwischen der EU und ihren Bürgern zu verringern? Die Juncker-Kommission hat sich seit ihrem Antritt 2014 explizit zum Ziel gesetzt, Europa seinen Bürgern wieder näher zu bringen. Helfen soll dabei nun das Europäische Jahr des Kulturerbes 2018. Das ist an diesem Mittwoch offiziell in Belgien eingeleitet worden.

Die Auswahl des Ortes, an dem das Kulturerbejahr in Anwesenheit der Europäischen Kommission, Vertretern des flämischen und französischsprachigen Landesteils sowie Brüssels eingeläutet wird, ist kein Zufall: Das Rathaus auf dem Brüsseler Marktplatz - beides Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes – gilt nicht nur als das älteste Rathaus Belgiens, sondern es sei auch das schönste von Europa, schwärmt Luc Delrue, flämischer Generalsekretär der Abteilung für Kultur, Jugend, Sport und Medien (Delrue ist für Flanderns Kulturminister eingesprungen, der wegen eines wichtigen Termins im Parlament sein muss.)

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Am Mittwoch im Brüsseler Rathaus: Das Kollegium der Kommissionsmitglieder

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Wenn eine Stätte Weltkulturerbe ist, bedeute das, dass "sie eben nicht als belgische oder europäische, sondern als Kulturerbe der Gemeinschaft anerkannt ist. (…) Man fällt damit auch eine politische Entscheidung: Man will, dass diese Stätte nicht mehr nur noch uns gehört, sondern allen", erklärt der Direktor der UNESCO in Brüssel und

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Vertreter der Organisation bei der Europäischen Union, Paolo Fontani.

Doch Kulturerbe, so Fontani weiter, umfasse mehr als Denkmäler und Gebäude. "Es ist das, was uns ausmacht: Bräuche, mündliche Überlieferungen, Traditionen." Auch Handwerk, digitale Kunst und Animation fallen unter "Kulturerbe".

"Jeder hat kulturelle Bräuche"

Unser kulturelles Erbe sollen wir besser kennen lernen – und auch stolz darauf sein dürfen, unsere Vielfalt entdecken und sie annehmen, klingt es auf der Pressekonferenz im Rathaus. Dann gelingt es uns wahrscheinlich viel besser, über den Tellerrand zu schauen und den interkulturellen Dialog über unsere Gemeinsamkeiten anzugehen. Dann sind wir vielleicht auch wieder offener für die Vielfalt und die Einheit.

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Denn um die Einheit in der Europäischen Union, aber auch in einigen Mitgliedstaaten selbst, steht es in letzter Zeit nicht so gut. Zu einem Zeitpunkt, da viele populistische Bewegungen Europa spalteten, komme das Jahr des kulturellen Erbes genau richtig, sagt Jimmy Jamar, Chef der Vertretung der Europäischen Kommission in Brüssel in einem Interview mit unserer Redaktion. "Wir können sagen: 'Das ist, was wir sind, was Europa ist.' Etwas, was die Menschen tatsächlich teilen, ist ihr kulturelles Erbe."

Bei all den Problemen wie Klimawandel, Finanzkrise hat es einer positiven Nachricht bedurft, erklärt auch Michel Marnier, Direktor für Kultur, Bildung, Jugend und Sport bei der Europäischen Kommission, auf dem anschließenden Bürgerdialog am Mittwoch im Rathaus.

Die Europäische Union habe eine Krise durchgemacht und muss wieder Zugang zu ihren Bürgern finden. Die beste Methode dies zu tun, ist, sich Bereichen zuzuwenden, für die sich alle interessierten wie die Kultur. "Jeder hat kulturelle Bräuche. Alle europäischen Völker teilen etwas, eine Geschichte, aber auch Werte und diese finden wir in unserem Patrimonium - wie hier in diesem herrlichen Rathaussaal."

Vielfalt entdecken und wahren

Mit dem kulturellen Erbe soll eine Brücke zwischen der Vergangenheit und unserer Zukunft geschlagen werden. Es soll ein Jahr der Veranstaltungen sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene werden mit vor allem auch grenzübergreifenden Projekten. Letztere sollen u.a. mit 5 Millionen Euro über das europäische Rahmenprogramm "Kreatives Europa" finanziert werden.

Die Veranstaltungen in diesem Jahr seien die Gelegenheit, jeden von uns und insbesondere die Jugend dazu zu bewegen, die reiche kulturelle Vielfalt Europas zu entdecken und darüber nachzudenken, wie sie für künftige Generationen bewahrt werden könne, heißt es von Seiten des Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker (Foto unten) zum Jahr des Kulturerbes.

"In der Kultur und im kulturellen Erbe zeigt sich am deutlichsten, wie stark die Identität und die gemeinsamen Werte der Bürger in Europa sind. Sie müssen eine entscheidende Rolle bei den Bemühungen auf dem Weg einer geeinten, stärkeren und demokratischeren Union spielen", so auch der Europäische Kommissar für Kultur, Sport, Bildung und Jugend, Tibor Navracsics vorab in einem Kommuniqué.

Obendrein freue er (Navracsics) sich, den Start zum Europäischen Jahr des Kulturerbes in Brüssel, am Sitz der europäischen Institutionen und noch dazu in einer Stadt, die wie keine andere in Europa für Kreativität, Avantgardismus und Kosmopolitismus stehe, miterleben zu dürfen.

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Feierlich eingeläutet worden ist das Europäische Jahr des Kulturerbes am Mittwoch im Rathaus und auf dem Brüsseler Marktplatz u.a. mit einem Licht- und Musikspektakel, einer 3D Show 'Duizend weerspiegelingen van Europa'/"Europa in 1000 Facetten" (großes Foto oben), produziert von 'Tour des Sites'.

Das Jahr des Kulturerbes wird nicht nur in den 28 EU-Mitgliedstaaten begangen, sondern auch in einigen Nachbarstaaten. Norwegen, Island und die Schweiz haben sich dem Jahr des Kulturerbes ebenfalls angeschlossen. Finden Sie auf dieser Webseite alle Veranstaltungen zum Jahr des Kulturerbes 2018 in den Mitgliedstaaten: https://europa.eu/cultural-heritage/node/2_de.

Licht- und Musikspektakel

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Präsident der Europpäischen Kommission im Brüsseler Rathaus

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